Aktuelles

30 Jahre am Dirigenten-Pult: Gerhard Ludwig geht in den Dirigenten-Ruhestand

Kaum zu glauben und doch wahr: Nach 30 Jahren als Dirigent im Blasorchester St. Michael Perlach geht Gerhard Ludwig in den wohlverdienten Dirigenten-Ruhestand! Mit einem fulminanten Abschiedskonzert in der „Mensa“ im Schulzentrum an der Quiddestraße am Sonntag, 16. Oktober 2022, verabschiedete sich Gerhard bei seinem Publikum und übergab offiziell den Taktstock an seine Nachfolger Dan Gottmann und Simon Riepl.

Gerhard kam 1986 in das von Pater Heribert Kloos 1977 gegründete Orchester und begann 1990, Heribert beim Dirigieren zu unterstützen. Ab 1996 dirigierte er zusammen mit Martin Jochner. Als dieser 2008 Perlach verließ, stand Gerhard seitdem alleine am Dirigentenpult des großen Blasorchesters. Mit 30 Jahren Dirigentenschaft hat er folglich am längsten bei den Perlachern den Takstock geschwungen – hierfür bekam er beim Abschiedskonzert eine Urkunde vom Musikbund Ober- und Niederbayern überreicht und die goldene Dirigentennadel verliehen.

Was zeichnet Gerhard aus?

In den Jahren, die wir mit ihm zusammen musizieren durften, haben wir Musikerinnen und Musiker Gerhard vor allem so erlebt: Als energischen Musikbegeisterten mit immensem Wissen, der jeden mitreißen will, als konzentrierten Perfektionisten, als fordernden Förderer: Gerhard ist ein Blasorchester-Dirigent durch und durch, der stets nach neuen, interessanten, ja, gelegentlich auch sperrigen Stücken suchte, bei denen wir uns zwar manchmal anfangs ratlose Blicke zuwarfen und dachten: „Was soll das, wie soll das je klingen und wie kriege ich je diese Läufe in die Finger?“ Aber (fast) immer lösten sich mit der Zeit (und dem Üben!) die Zweifel auf und wir verstanden das Stück und warum Gerhard es ausgewählt hatte. Und oftmals waren wir von dem Stück dann im Konzert so begeistert wie er.

Die Konzentration und Präzision, die sein Dirigat prägte, forderte er auch von uns: Wenn wir trotz mehrmaliger Bitte, eine Stelle leise zu spielen, doch wieder zu laut waren, den Rhythmus ungenau spielten oder während der Probe unkonzentriert waren oder schwatzten – dann kam auch mal ein strenges Wort und wir legten die Ohren an. In den abendlichen Mittwochsproben, die allen (so auch ihm) nach einem langen Arbeitstag nicht immer leichtfielen, fiel dann schon mal der Satz: „Leute, werdet wach …“ Beschwingt und bereichert gingen wir aber fast immer nach der Probe nach Hause.

Und was er für eine Geduld mit uns hatte, bis in die musikalischen Feinheiten: Er wurde nicht müde, uns zum dutzendsten Mal die große Triole oder die richtige Artikulation bei Polka und Marsch zu erläutern. Selbst ein herausragender Tubist, wusste Gerhard um die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die ein Blasinstrument in sich birgt, sei es bei der Stimmung, der Atmung, bei Läufen etc. Mehrfach bereitete er mit uns die Teilnahme an Wertungsspielen vor, bei denen wir stets mit Auszeichnung bestanden.

Nicht zuletzt kennen wir Gerhard als unbedingten und engagierten Förderer für den Nachwuchs und die Weiterbildung, der sein profundes musikalisches Wissen nur zu gerne an andere Wissbegierige weitergibt. Zahllose Musikerinnen und Musiker hat er mit viel Geduld und pädagogischem Geschick in unzähligen Wochenendstunden für die Bläserabzeichen des Musikbundes ausgebildet. Sicher und perfekt vorbereitet konnten wir in die Prüfungen gehen.

Welche Stücke und Konzerte durften wir mit Gerhard spielen?

Routine gab es bei Gerhard kaum, zwar ein Repertoire, aus dem er gerne wohlbekannte – und für uns und das Publikum erfreulich – Stücke mit Wiedererkennungswert auswählte. Aber er war auch stets auf der Suche nach interessanten, auch ungewöhnlichen Stücken oder Erstlingswerken von bisher unbekannten Komponisten. Manchmal hatte er ein Stück bei einem Konzert eines anderen Orchesters gehört, die Noten organisiert und sie uns kurz danach enthusiastisch ausgeteilt und vorgestellt. Spannend war stets die musikalische Vielfalt: Ob traditionelle Märsche oder Polkas, ob Filmmusik, geistliche Werke, klassische Stücke oder Rock/Pop, für Blasorchester bearbeitet, oder veritable symphonische Blasmusik unterschiedlicher Couleur– es gab fast nichts, was nicht mal auf unseren Notenpulten landete und unsere Neugier und auch den einen oder anderen Übefleiß herausforderte.

Entsprechend vielfältig war auch die Art der Konzerte: Frühjahrskonzerte, in den letzten Jahren meist als Themenkonzerte gestaltet, Sommerserenaden, Kirchenkonzerte, Gemeinschaftskonzerte mit Perlacher Chören, Teilnahme an Prozessionen und Festzügen, Standkonzerte …

Was wünschen wir ihm? Und was wünschen wir uns?

Beim Abschiedskonzert sagte Gerhard zum Publikum, dass er sich freue, beim nächsten Konzert nicht auf dem Podium, sondern im Publikum sitzen zur dürfen. Wir freuen uns auch sehr, Gerhard dann im Publikum wiederzusehen. Nun wünschen wir Gerhard von Herzen einen entspannten und gesunden musikalischen Ruhestand mit viel Muße, Freude und Zeit für die Familie, eigenes Musizieren, den Sport oder ganz andere Dinge, die in den letzten Jahren zu kurz kamen. Uns und unseren neuen Dirigenten Dan Gottmann und Simon Riepl wünschen wir, dass wir da anknüpfen können, wo uns Gerhard hingeführt hat, dass wir Konzentration, Neugier und musikalische Genauigkeit verinnerlicht und mitgenommen haben, aber auch bereit sind für neue Ideen und Stücke.

Vor allem aber möchten wir Gerhard ein großes Dankeschön sagen: Vielen Dank, lieber Gerhard, für 30 wunderbare Jahre Musik mit dir!

 

Vorausschau auf unsere nächsten Konzerte:

Adventskonzert unserer Bläserensembles 2022:

Sa., 17.12.2022 um 19:00 Uhr in der Kirche St. Georg in Unterbiberg

Frühjahrskonzerte 2023:

Fr., 17.03.2023 um 19:00 Uhr im Pfarrsaal St. Michael in Perlach

Sa., 18.03.2023 um 19:00 Uhr im Schulzentrum Perlach Nord an der Quiddestraße

 

Anke Drescher, Blasorchester St. Michael München-Perlach e.V.